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Tag gegen Gewalt an Frauen - der unsichtbare Elefant in unserer Mitte


Die Fahne weht nun vor dem Fürther Rathaus anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen. Jedes Jahr am 25. November wird dieser begangen.

Häusliche Gewalt an Frauen – ein Thema, das zu Corona-Zeiten nochmal mehr an Brisanz gewonnen hat.

Jasmin Minarro Albero von der Beratungs- und Interventionsstelle Bergstraße verdeutlichte in ihrem Online-Vortrag, der in Kooperation mit dem katholischen Frauenbund Fürth und der Gemeinde Fürth stattfand, dass Häusliche Gewalt in allen sozialen Schichten vorkommt und überwiegend Frauen trifft.

Dabei sei dies oft ein schleichender Prozess. Die Facetten der Häuslichen Gewalt sind vielfältig. Von der physischen- oder psychischen Gewalt bis hin zur sexuellen Gewalt und sozialer Isolation der Frauen. Immer mit dem Ziel den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit der Frauen zu untergraben und Macht und Kontrolle über sie auszuüben.

25 Prozent aller Frauen in Deutschland erleben mindestens einmal in ihrem Leben Häusliche Gewalt durch ihren Partner. Ebenso tragisch, wie diese Tatsache, ist es, dass 99 Prozent der Kinder um die Häusliche Gewalt in der Paarbeziehung der Eltern wissen und sogar selbst Schäden davontragen.

Je nach Alter und Geschlecht der Kinder sind körperliche und geistige Entwicklungsstörungen, Furcht vor eigener Wut, Misstrauen, Essstörungen, Rachegefühle, Schafstörungen, Suche nach Anerkennung oder kriminelle Handlungen die Folge. Gewalt gegen die Mutter bedeutet auch immer Gewalt gegen das Kind. Kinder sind somit keine Zeugen sondern Opfer.

Auslöser von Häuslicher Gewalt können zum Beispiel eine Hochzeit, Schwangerschaft, Zusammenziehen oder die Geburt eines Kindes sein. Dabei gibt es vier Phasen der Gewaltspirale.

Den Spannungsaufbau, den Gewaltausbruch, die Phase der Wiedergutmachung, in der die Partnerin wieder neue Hoffnung schöpft, und die Verdrängungsphase, in der der Täter die Schuld von sich auf die Frau lenkt. Leider wiederholt sich diese Spirale immer wieder. Die betroffenen Frauen verspüren Scham, Ohnmacht und Hilflosigkeit und trauen sich nicht auszubrechen. Sind Kinder im Spiel kommt meist die Angst dazu, man könne ihnen diese wegnehmen.

Die WHO stellt die Folgen von Häuslicher Gewalt als großes Gesundheitsrisiko dar: Nicht nur die Verletzungen durch körperliche Gewalt, auch die psychischen Aspekte, wie Depressionen, Panikattacken, Essstörungen, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch sowie die Isolation vom sozialen Umfeld. 

Weitere erschreckende Zahlen sind der Anstieg von Häuslicher Gewalt von 2016 bis 2020 um 11,25 Prozent – allein 4,9 Prozent davon von 2019 auf 2020. Konkret sind dies 146.655 Fälle von Gewalt in Partnerschaften. Alle 2 ½ Tage wird eine Frau in Deutschland durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners umgebracht. In den Medien hört man vergleichsweise nur selten hiervon – „Häusliche Gewalt gegen Frauen - der unsichtbare Elefant in unserer Mitte“.

Während Corona erreichten die Beratungs- und Interventionsstelle Bergstraße vermehrt Übermittlungen von Einwilligungserklärungen durch die Polizei, sprich, bei Einsätzen der Polizei zu Fällen von Häuslicher Gewalt suchten die Opfer häufiger direkt Hilfe.

Ein bei Häuslicher Gewalt an Frauen wichtiges Unterstützungssystem setzt sich aus unterschiedlichen Anlaufstellen zusammen: Polizei, Justiz, verschiedene Beratungsstellen, Frauenhäuser, soziales Umfeld oder auch regionale Frauenbeauftragte.

Der Verein Frauenhaus e.V. und die Beratungs- und Interventionsstelle Bergstraße stehen Betroffenen, Dritten und anderen Fachstellen zur Seite. Neben dem Gespräch über Häusliche Gewalt, werden auch Themen, wie Stalking, Trennung/Scheidung oder Rechtsberatung zum Gewaltschutzgesetz behandelt. Die Beratung ist parteiisch, schweigepflichtgebunden und kostenlos (jede Beratung).

Auch findet dort bei Bedarf eine Weitervermittlung statt. „Wir möchten Frauen wieder in die Selbstwirksamkeit führen“, erläuterte Jasmin Minarro Albero.

Die Beratungs- und Interventionsstelle Bergstraße arbeitet auch mit Schulen zusammen. Erzieheri*nnen und Lehrer*innen können eine Beratung erhalten. Ebenso sind Vorträge, Pädagogische Tage und Multiplikatorenschulungen möglich – in diesem Falle Geschlechtsunspezifisch. Beispielsweise sind Schulen, Kindertagesstätten oder kirchliche Einrichtungen herzlich willkommen, diese Angebote wahrzunehmen.

Neben der Möglichkeit der Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail, ist aktuell auch die Möglichkeit gegeben, sich vor Ort (3G-Regelung) beraten zu lassen. Die Mitarbeiterinnen sind flexibel und machen die Termine so gut es geht möglich.

Wer die Arbeit des Vereins Frauenhaus e.V. unterstützen möchte, der kann dort für 24,00 Euro im Jahr Mitglied werden.

Flyer können ab der KW 49 unter info@gemeinde-fuerth.de angefragt werden.

Kontakt:

Telefon: 06251 67495 

kontakt@frauenberatung-bergstrasse.de

www.frauenberatung-bergstrasse.de

Telefonnummer Frauenhaus Bergstrasse: Telefon: 06251 78388